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To think is to be sick
on the eyes

Performance-Oper in einem Akt
für Bariton und Violoncello – Uraufführung

aufführungen

PREVIEW: Freitag, 08. Dezember 2023 14.30 Uhr HMT Leipzig
Freitag, 02. Februar 2024 19 Uhr und 21 Uhr
Samstag, 03. Februar 2024 19 Uhr und 21 Uhr
Sonntag, 04. Februar 2024 19 Uhr

Rui Cardoso Antunes nimmt in seiner Performance-Oper einen einzigen Augenblick ins Visier. In seiner Komposition seziert er den emotionalen Ausbruch seiner Hauptfigur wie unter einem Mikroskop. Die Nahaufnahme zeigt einen jungen Menschen, dem sein Enthusiasmus abhanden kam. Wo sind all die anderen Menschen seiner Generation, die noch vor kurzem zu abertausenden für Klima und Gerechtigkeit auf die Straße gingen? 

Ich wurde traurig und krank (und grimmig) wie ein Tag, an dem den ganzen Tag das Gewitter droht und es nicht einmal Nacht wird…“ – heißt es in dem Poem des portugiesischen Dichters Alberto Caeiro, das der Komponist als Libretto-Text verwendet, wie weitere Dichtungen von Alberto Caeiro und von Álvaro de Campos. Obwohl die Texte hundert Jahre alt sind, trifft die Oper den Nerv unserer Zeit, in der die Menschen angesichts multiresistenter Multikrisen mehrheitlich in einen somnambulen Modus verfallen zu sein scheinen.

Die Hauptfigur der Oper, die keinen Namen hat, empfindet sich zwischen den Stühlen. Er  will nicht aufgeben, aber: Wozu das immer wieder Dagegen-Anrennen? Wozu Zeichen setzen, wenn es Kleingeist und Herzlos nicht erreicht?  „Die einzige innere Bedeutung der Dinge ist, dass sie komplett bedeutungslos sind.“ (Alberto Caeiro) Ist dem so? In dieser Inszenierung stellt sich die Hauptfigur dieser Frage.

Caeiro und de Campos, deren Texte Rui Cardoso Antunes in dieser Kurz-Oper vertonte, führen auf eine spannende Fährte: beide sind in Wirklichkeit zwei der berühmten Heteronyme des wahrscheinlich größten portugiesischen Dichters Fernando Pessoa (1888 – 1935). Dieser träumte immer davon, alle Menschen zugleich sein zu können. In seinem Werk erfüllte er sich diese Sehnsucht: Unablässig erschuf er neue Dichter mitsamt einer Biographie und schrieb ihnen die unterschiedlichsten Werke zu.

Mindestens 70 Heteronyme hinterließ Pessoa. Einige von ihnen sind Verwandte oder kennen sich; sie kritisieren und übersetzen sich gegenseitig! Pessoas drei Hauptheteronyme sind Alberto Caeiro, Ricardo Reis und Álvaro de Campos – die beiden letzteren betrachteten Alberto Caeiro als ihren Meister. Die Heteronyme kommunizierten öffentlich miteinander und sogar mit Pessoa selbst und griffen mitunter auch direkt in sein Leben ein. Pessoa, der auch Amateurastrologe war, schuf 1915 das Heteronym Raphael Baldaya, einen langbärtigen Astrologen. Dieser wiederum erarbeitete Horoskope seiner wichtigsten Heteronyme, um ihre Persönlichkeit zu bestimmen! Diese außerordentliche Eigenwilligkeit der in der Oper verwendeten Texte inspirierte das Regieteam zu einem ungewöhnlichen Inszenierungsformat. Lassen Sie sich überraschen!

musik

Komposition: Rui Cardoso Antunes

mitwirkende

Regie: Anja-Christin Winkler
Szenografie: Jakob Boeckh
Gesang: Diogo Mendes
Violoncello: Jordi Albelda Santamargarita
Performance: Bartosz Przybylski

Förderungen

Das Projekt wird gefördert durch das Kulturamt der Stadt Leipzig.