NACHT.STÜCKE

Ein Zyklus nächtlicher Reflexionen

Tetralogie inhaltlicher und formaler Verschränkungen

Der vierteilige Zyklus NACHT.STÜCKE wird von 2022 bis 2024 umgesetzt und besteht aus thematisch und formal aufeinander bezogenen Produktionen, die sich der Frage nach Selbstverortung im Spiegel gesellschaftlicher Prozesse widmen.

Thema

In den NACHT.STÜCKEn setzen wir uns mit den Anforderungen an unsere gesellschaftliche Verantwortung und der gleichzeitigen Überforderung auseinander. Das Regieteam Ilka Seifert und Anja-Christin Winkler sucht mit performativen Mitteln nach Möglichkeiten des konstruktiven Umgangs mit diesem Konflikt. Im Fokus steht die Kontrapunktierung von Einst und Jetzt, die Verquickung von Alt und Neu – von klassischer Musik und modernen musikalischen Stilen, gewohnten und innovativen Aufführungsformaten,  analoger und digitaler Technologie.

Inhaltlich nehmen wir folgende Fragestellungen in den Fokus:
  • Digitalisierung, Selbstbestimmtheit und virtuelle Welten
  • Kapitalismus oder Ethos der Börse
  • Nachhaltigkeitsgebote und das „richtige“ Leben

Warum NACHT.STÜCKE?

Die Nacht als ein Ort oder besser eine (Lebens-)Zeit, in der wir zur Ruhe kommen könnten - sofern wir uns nicht mit unseren Sehnsüchten oder Abgründen konfrontieren -, hat viele Berührungspunkte zur Frühromantik, einer wirklich revolutionären Zeit, in der Künstler wie Novalis, Tieck, Wackenroder, Schlegel usw. eben den nächtlichen Erscheinungen einen neuen Raum und Wirkungsmacht zuwiesen, von wo aus viele gesellschaftliche Veränderungen ihren Ausgang nahmen. NACHT.STÜCKE, um innezuhalten und in sich hineinzuhorchen.

Inszenierungen

LICHT.22 (Neufassung der Produktion LICHT 2021)
Interaktive Konzertperformance für Sopran, Klavier, elektronische Musik, Licht und Publikum

SCHATTEN (AT) – Uraufführung 2022
Szenisches Chorstück (Text: Sieben Todsünden und Agenda 2030)

In Zusammenarbeit mit dem Kammerchor Vocalconsort Leipzig entsteht eine neue Komposition über einer Textcollage, die die Überschneidung der Agenda 2030 zur Nachhaltigkeit mit alttestamentarischen Ge- und Verboten des gesellschaftlichen Miteinanders untersucht.

SPEKTRUM (AT) – Uraufführung 2023
Begehbare Klanginstallation für Streichquartett, Video und Live-Börsenkursverlauf des Dow Jones (Humoreske)

In gespannter Erwartung antizipiert der Börsianer in jedem Augenblick die Zukunft und greift in sie ein. Ein Spiel von Gier und Angst, eine interaktive Massen-Performance, wären da nicht die verheerenden Auswirkungen auf die Realität. Mit ihren Eintrittskarten erwerben die Zuschauer:innen selbst Anteile eines börsennotierten Unternehmens. Der live übertragene tagesaktuelle Börsenverlauf bestimmt das Spiel: Er definiert die Dramaturgie des Abends und zwingt mit seinen Algorithmen die klassischen Streichquartett-Kompositionen in unerwartete Formen.

NACHT.QUARTIER (AT) – Uraufführung 2024
Eine nächtliche Reise auf dem Wasser mit Bläserensemble und Perkussion

Zusammenfügung der vorausgegangenen Teile der Tetralogie: Ein performativer Parcours lädt das Publikum zu einer langen Nacht, in der alle drei Produktionen des Zyklus in eine neue Beziehung zueinander gestellt werden.

Umsetzung

Die Werkbühne Leipzig definiert in dieser Reihe klassische künstlerische Präsentationsformate neu und löst das gewohnte Prinzip der Gegenüberstellung von Werk und Publikum, Bühne und Saal durch immersive szenografische Konzepte auf. Das klassische Konzert-Setting wird aufgebrochen und durch performative Formate mit immersiver Erlebniswelt ersetzt. Dabei werden verschiedene musikalische Genres kombiniert, digitale Medien und neue Technologien als künstlerische Elemente mit einbezogen. Der experimentelle Charakter steht im Vordergrund.
Der gemeinsame Nenner ist die künstlerische Suche nach neuen, themenspezifischen Aufführungsformaten. Jedes Stück bildet somit ein neues Genre aus. Am Ende gelangt der gesamte Zyklus innerhalb einer Nacht zur Aufführung.

Folgende Parameter spielen in unterschiedlicher Gewichtung eine Rolle:
  • Immersion, Interaktion und Partizipation für das Publikum
  • Entwicklung installativer Settings und Formate
  • Aufhebung der Trennung von Person und Rolle im Hinblick auf die Performer:innen
Dahinter steht die Motivation, einen Kulturraum zu schaffen, in dem ein offener Dialog und gegenseitiges Erkunden über alle Grenzen hinweg möglich ist.