SCHNEEBLUMEN GEDENKEN 2021

Gedenkweg-Aktion 

Erinnerung an den Todesmarsch der Frauen des KZ Buchenwald-Außenlagers Markkleeberg 

Angesichts der aktuellen Entwicklung im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie und den neu erlassenen Regelungen zu deren Eindämmung sowie in Verantwortung für die Gesundheit aller Mitwirkenden und Besucher konnte das für den 13. April 2021 geplante Schneeblumen-Gedenken im Lößniger Park leider nicht stattfinden.

Mit einer kleinen Kunstaktion mit dem Titel Schneeblumen - Roszas Schwestern konnten wir dennoch an die 1550 Zwangsarbeiterinnen aus Ungarn und Frankreich, die am 13. April 1945 aus dem KZ Buchenwald-Außenlager Markkleeberg auf einen Deportationsmarsch nach Theresienstadt geschickt wurden, erinnern. Dass wir heute viele Details darüber wissen, verdanken wir  Zahava Szász Stessel, die als 14-Jährige in dem Lager inhaftiert war. In ihrem Buch Schneeblumen schildert sie Leid, Hunger, Verzweiflung und Tod im Lager, aber auch, dass Hoffnung und Menschlichkeit nicht besiegt werden konnten – wie Schneeblumen unter dem Eis.

In unserer Gedenkweg-Aktion zogen wir die Hoffnung  als allegorische Figur in einem Wagen die ersten acht Kilometer des Weges durch die abendlichen Straßen Markkleebergs und Leipzigs, genau 76 Jahre nach dem verhängnisvollen Marsch. Wir haben die Aktion im Vorfeld bewusst nicht publik gemacht, die Idee bestand vielmehr darin, den Passant:innen, denen wir zufällig begegneten, von den Geschehnissen zu erzählen und ihnen eine Karte zu überreichen, auf der die folgende Episode aus dem Buch zitiert wird, die uns sehr berührte.

13.4.1945
Selbst das Wetter war an diesem boshaften Tag gegen uns; ein ständiger Regen fiel, als wir stundenlang warten mussten, bis es schließlich völlig dunkel war. … Kranke Mädchen nahmen all ihre Kraft zusammen, um beim Appell zu stehen. Rosza, die jüngste der Winkler-Schwestern, war an Tbc erkrankt. Als die Evakuierung angeordnet wurde, konnte Rosza nicht aufstehen, aber ihre Schwestern Nelly und Hajnal waren entschlossen, sie nicht zu verlassen. Sie waren bereit, ihr Schicksal zu teilen und legten sich neben Rosza mit der Begründung, sie seien auch krank. SS-Lagerkommandant Knittel kam und befahl ihnen zu verschwinden, aber die beiden weigerten sich. Sie blieben, selbst als die Wachen mit ihren Schäferhunden nach Entflohenen suchten. Knittel kam zurück. Aber er war so mit seinen eigenen Abzugsplänen beschäftigt, dass er die Mädchen aufforderte, sich dem Tross anzuschließen und sie dann verließ. Als sie sich umschauten, fanden Nelly und Hajnal einen kleinen Wagen und eine Strohmatratze. Sie setzten ihre kranke Schwester darauf, sodass sie mit auf den Marsch gehen konnte. …
Erst spät am Abend gab man das Signal zum Abmarsch. Die SS wollte vermeiden, dass die Bevölkerung uns sah. … Wir marschierten in Fünferreihen. Die Wachen hatten Gewehre über der Schulter und Revolver oder Pistolen im Gürtel. Ein langer Menschenstrom bewegte sich aus dem Lager.

aus dem Buch Schneeblumen der Überlebenden Zahava Szász Stessel

Am 27. und 29. Mai 2021 gab es im Rahmen von Leipzig liest extra zwei Lesungen aus dem Schneeblumen-Buch (nähere Informationen unter www.notenspur-leipzig.de/jns). 


Das Projekt wurde gefördert vom Kulturamt der Stadt Leipzig.