CLARA IM RÜCKSPIEGEL

Konzertinstallation für Stimme, Viola, Klavier und Video

Uraufführung: 20.-22. September 2019 in der Peterskirche Leipzig
Bisherige Vorstellungen: 1. & 2.11.2019 in der Brotfabrik Bonn, 19.12.2019 in Istanbul, Türkei: "Clara Dikiz Aynasında", Cemal Reşit Rey
Geplante Kooperation November 2021: Art Forum Festival, Palace of Arts, Kraków – Koop mit FUNDACJA ART FORUM

Musik: Clara Schumann (1819–1896), Violeta Dinescu (*1953 in Bukarest), Annette Schlünz (*1964 in Dessau) & Beste Özçelebi (* 1983 in Ankara)
Video-Installation: Emanuel Mathias: Nebahats Schwestern

fotos: mim schneider

Anlässlich des 200. Geburtstags von Clara Schumann am 13. September 2019 schlägt die Konzertinstallation CLARA IM RÜCKSPIEGEL eine Brücke von jener Ausnahmemusikerin des 19. Jahrhunderts zu drei Künstlerinnen der Gegenwart, zu drei Komponistinnen verschiedener Generationen und Herkunftsländer: Violeta Dinescu, Annette Schlünz und Beste Özçelebi.

Lieder und Kammermusik von Clara Schumann bilden die musikalische Basis, dienen als Assoziationsmaterial, auf deren Grundlage die Komponistinnen jeweils eigene Stücke entwickelten, dabei gefilmt und dazu auch befragt wurden: Welche Bedeutung hat Clara Schumann heute für die drei Komponistinnen? Wirkt sie noch als Referenz? Wie kann sich eine zeitgenössische Komponistin als Frau und Künstlerin in der noch immer männlich geprägten Musikwelt behaupten? Indem sie sich zum Schaffen und zur Persönlichkeit Clara Schumanns positionieren, formen sich über die Aufführung hinweg die Porträts der drei Komponistinnen.

Als Prolog und Ausklang der Uraufführung wird die Video-Installation Nebahats Schwestern des Künstlers Emanuel Mathias gezeigt. Jene Nebahat, eine fiktive Kultfigur einer türkischen Fernsehserie der 60er Jahre, behauptete sich als einzige Taxifahrerin in Istanbul in der männerdominierten Taxibranche. Bis heute wirkt die selbstbewusste Powerfrau als Role Model für türkische Taxifahrerinnen, von denen ebenfalls drei porträtiert werden.
In der Spiegelung durch die Videoarbeit weitet sich der Blickwinkel auf die Konzertinstallation geografisch und inhaltlich.

Die Uraufführung fand am 20. September 2019 im Rahmen des Jubliäumsjahres CLARA19 und der Schumann-Festwochen in Leipzig, der Geburtsstadt Clara Schumanns, statt. Weitere Aufführungen gab es am 01. und 02. November in Bonn, der Stadt, wo die Künstlerin neben ihrem Mann begraben liegt.

Fernsehbeitrag am 19.12.2019 im Türkischen Fernsehen

  • Probe in der Peterskirche mit Mediha Khan und Cenk Erbiner
    Probe in der Peterskirche mit Mediha Khan und Cenk Erbiner

MITWIRKENDE

Stimme Lisa Fornhammar - Viola Cenk Erbiner - Klavier Mediha Khan

Künstlerische Leitung Ilka Seifert, Anja-Christin Winkler

Videos Christina Voigt

Dramaturgie Ulrike Schumann

Ausstattung | Kostüm Lisa Schiller-Witzmann

Technik Gen.Pi (Felix Richter)

Produktionsleitung | Presse Sophie Renz 

Produktionsmitarbeit Steffen Reinhold

Reise nach Istanbul

KOMPONISTINNEN

Violeta Dinescu, geboren 1953 in Bukarest, ist eine rumänische Pianistin, Komponistin und Hochschullehrerin. Sie lebt und arbeitet seit 1982 in Deutschland. Seit 1996 hat sie eine Professur für angewandte Komposition an der Universität Oldenburg inne, wo sie Colloquien mit Komponisten veranstaltet. Sie erhielt bisher über fünfzig internationale Preise und Auszeichnungen für ihre Kompositionen. Ihr Werk wird durch den Verlag Dohr veröffentlicht.

Annette Schlünz wurde 1964 in Dessau geboren. Die Komponistin und Lehrbeauftragte wurde vielfach mit namhaften Stipendien und Preisen ausgezeichnet und als Dozentin für Kompositionskurse und Jurorin eingeladen.Seit 2010 ist sie Mitglied der Sächsischen Akademie der Künste und seit 2011 der Freien Akademie Hamburg. Annette Schlünz lebt freischaffend in Süddeutschland und Frankreich, wo sie seit 2013 am Conservatoire de Strasbourg Komposition lehrt.

Beste Özçelebi wurde 1983 in Ankara geboren. Nach ihrem erfolgreich absolvierten Kompositionsstudium in Ankara und internationalen Aufführungen ihrer Werke kam sie 2013 nach Leipzig, wo sie im Fach Komposition ihren Masterabschluss erhielt und ein Meisterklassenexamen anschloss. 2017 erhielt Beste Özçelebi den Förderpreis für junge Komponisten und Musikwissenschaftler des Deutschen Komponistenverbandes, Landesverband Sachsen.
Steffen Georgi schreibt zur Uraufführung in der Leipziger Volkszeitung am 25.09.2019:
"Eine kluge Lichtdramaturgie verstärkt den Insel-Charakter, schrumpft das Umfeld zu Schemen und fokussiert darüber die Konzentration inmitten einer Weite suggerierenden Dunkelheit. [...] Wenn nämlich zwei Frauen, die Sopranistin Lisa Fornhammar und die Pianistin Mediha Khan, ins Licht treten und den Flügel erst einmal wie ein Stück Strandgut betasten. [...] Dass wenig später Cenk Erbiner (Viola) ein 'Nimm dich in acht! Nichts berühren!' bedrohlich flüsternd durch den Raum schickt, verhindert freilich nicht, dass in diesem Raum die Verführungskraft der Töne längst schon zu wirken begonnen hat. In einem seiner Gedichte beschreibt der große amerikanische Lyriker Wallace Stevens den seltsamen, somnambulen Zustand: 'Hellwach, am Rande des Schlafs'. Genau dort, in diesem Zustand schwebt auch "Clara im Rückspiegel". [...] ...es fällt der großartige Satz 'Ich atme nur noch Töne', der seinerseits nicht nur als Selbstbeschreibung Schumanns, sondern auch für diese Musik und ihre Inszenierung in dieser Konzertinstallation zu gelten scheint."

FÖRDERER

Die Produktion CLARA IM RÜCKSPIEGEL wurde vom Kulturdezernat der Stadt Leipzig für eine Komplexförderung CLARA19 ausgewählt. Des Weiteren wurde die Produktion vom Musikfonds, von der Kunststiftung NRW mit einer Förderung ausgezeichnet und wird von der LEIPZIGSTIFTUNG unterstützt. Gefördert durch die Kulturstiftung des Freistaates Sachsen. Diese Maßnahme wird mitfinanziert durch Steuermittel auf der Grundlage des vom Sächsischen Landtag beschlossenen Haushaltes.

MUSIKER:INNEN

Lisa Fornhammar
studierte Gesang an der Universität Mozarteum Salzburg bei Prof. Martha Sharp und Liedstudium bei Prof. Hartmut Höll sowie am Opernstudio in Stockholm. Mit ihrer Symbiose aus klassischer Gesangskunst und zeitgenössischer Praxis ist die schwedische Sopranistin Lisa Fornhammar in vielen Epochen und Genres zu Hause. Zuletzt hatte sie Engagements u. a. als Solistin mit dem Ensemble Recherche an der Elbphilharmonie in der Reihe »Das neue Werk« mit Stücken von Morton Feldmann, mit der Oper »Magnus Maria« der isländischen Komponistin Karólina Eríksdóttír an der Oper Helsinkiund an Stockholms Stadsteater sowie konzertante Vorstellungen von H.K. Grubers »Frankenstein« und Glucks »Orfeo ed Euridice« mit dem Joensuu Stadtorchester unter Jurjen Hempel und an der Oper Leipzig 2017/18 als Proserpina/Ligeti-Sopran in »Au revoir, Euridice«.
Sie lehrt neue Vokalmusik an der Universität Mozarteum und an der HMT Leipzig. Außerdem ist sie die Leiterin von den jährlich stattfindenden Luciakonzerten, die u. a. Projekte wie Musik macht schlau unterstützen. 2019 wird das Luciakonzert am 16. Dezember in der Peterskirche Leipzig stattfinden.

Mediha Khan, in Dortmund geboren, absolvierte ihr Klavierstudium an der Hochschule für Musik und Tanz Köln bei Prof. Gesa Lücker und Prof. Sheila Arnold. Im Laufe der Studienzeit entdeckte sie ihre große Leidenschaft zum Kunstlied, der sie sich seitdem mit persönlicher Hingabe widmet. An der Kölner Musikhochschule fand sie dafür in Prof. Jürgen Glauß und Stefan Irmer wichtige Mentoren. Ebenso war Prof. Anthony Spiri ein wichtiger Lehrer für die Kammermusik, die sie seit früher Kindheit mit Begeisterung spielt.  
Seit 2017 studiert sie Liedgestaltung an der Hochschule für Musik und Theater „Felix Mendelssohn Bartholdy“ in Leipzig bei Prof. Alexander Schmalcz und Kammermusik bei Prof. Caspar Frantz. Im Sommer 2019 schloss sie hier ihren Master mit Auszeichnung ab und setzt nun seit Herbst 2019 ihr Studium in der Meisterklasse Liedgestaltung bei Prof. Alexander Schmalcz fort. Meisterkurse bei KS Brigitte Fassbaender, Wolfram Rieger, Thomas Quasthoff, Christiane Oelze, Phillip Moll, Eduard Zilberkant, Tamara Stefanovich sowie Anthony und Joseph Paratore prägten ihr musikalisches Verständnis außerordentlich.
Die junge Pianistin ist Stipendiatin der Liedakademie Heidelberger Frühling unter der Leitung von Thomas Hampson, des Deutschlandstipendiums und des Vereins Yehudi Menuhin LIVE MUSIC NOW Köln e. V. Konzerte führten sie unter anderem zu den Spielstätten des Heidelberger Frühling, der Konzertreihe Lied in Dresden unter der Leitung von Olaf Bär und dem großen Sendesaal des MDR Leipzig. Seit 2017 ist sie beim Mitteldeutschen Rundfunk als Korrepetitorin tätig.

Cenk Erbiner ist ein europaweit gefragter Bratschist für World Music und Neue Musik und spielt seit 2010 bei der Anhaltischen Philharmonie Dessau. Er wurde 1976 in Istanbul geboren und studierte Bratsche am städtischen Konservatorium der Universität Istanbul und 1999-2002 bei Prof. Nobuko Imai an der Musikhochschule Detmold. Anschließend schloss er an der Musikhochschule Leipzig sein Diplomorchesterstudium und Konzertexamen bei Prof. Tatjana Masurenko ab. Er besuchte Meisterkurse bei Martin Outram, Russen Günes und Juri Bashmet.
Cenk Erbiner ist viermaliger Stipendiat der Dr. Bejaht Eczacibasi Fundation und arbeitete als Solo-Bratschist in zahlreichen Orchestern wie den Dresdner Sinfonikern, der Staatskapelle Halle und dem Mendelssohn Kammerorchester.
Im Anschluss an die klassische Bratschenausbildung studierte er Jazz Viola und Klavier. Er ist Gründungsmitglied des „World Music Ensemble Nereden“ und komponiert Stücke für Kammermusik, Soli und Duette sowie für Film und Theater. Cenk Erbiner spielt eine Jürgen Manthey Bratsche.

TEAM (in alphabetischer Reihenfolge)

Gen.Pi (Felix Richter), geboren 1990 in Grimma, studiert Medienkunst an der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig. Arbeitet hauptsächlich mit Licht und Projektion. Seit mehreren Jahren ist er Mitglied des Kollektivs »Artes Mobiles«, einer mobilen Theatergruppe, der audio visuellen Konzertreihe »Bells Echo« und der Band DŌMU.

Ulrike Schumann, 1975 in Dresden geboren, studierte sie Dramaturgie in Leipzig und ging in direktem Anschluss an das Theater Bonn. 2013 wechselte sie als Leitende Musiktheaterdramaturgin an das Theater Osnabrück, zur Spielzeit 2018/19 als eine von zwei Operndirektor_innen in das Leitungssteam des Theaters Heidelberg. Daneben wurde sie als Gastdramaturgin sowie vielfach als Referentin eingeladen und erhielt Lehraufträge an den Universitäten Koblenz/Landau, Bonn und Osnabrück.

Ilka Seifert, geboren 1964 in Wiesbaden, war Direktorin der Neuköllner Oper Berlin, danach Dramaturgin an der Staatsoper Unter den Linden Berlin und Kuratorin für die Sophiensaele Berlin.
Seit 2006 ist sie als freie Dramaturgin u. a. für die Opern in Berlin, München, Bonn, Halle, Braunschweig, für das Radialsystem Berlin, das Vocalconsort Berlin, die Akademie für Alte Musik Berlin und in verschiedenen Funktionen für Sasha Waltz & Guests tätig. Zunehmend entwickelt sie installative Konzertformate, so z. B. für Concerto Köln, ensemble resonanz, das Finnish Baroque Orchestra, mendelssohn kammerorchester leipzig oder das Sinfonieorchester Wuppertal.

Christina Voigt, geboren 1979 in Sangerhausen (Sachsen-Anhalt) studierte Mediendesign an der FH Augsburg und Visuelle Anthropologie an der FU Berlin. Seit 2003 ist sie freie Filmemacherin und Kamerafrau. Sie arbeitete u. a. für den Filmkomponisten Max Richter, Sasha Waltz & Guests, Ulrike Ruf sowie viele Orchester und Theaterproduktionen. Einer ihrer Schwerpunkte seit 2004 ist Nepal, wo sie mehrere Dokumentarfilme drehte und seit 15 Jahren eine filmische Langzeitstudie über die Kinder des Sangrila Waisenhauses in Chapagaon verfolgt.

Elisabeth Schiller-Witzmann, geboren 1971, studierte an der Hochschule für Bildende Künste in Dresden. Sie ist als freischaffende Bühnen- und Kostümbildnerin im In- und Ausland tätig. Neben der Theaterarbeit entstehen Kunstinstallationen und Ausstellungskonzepte. Wichtiger künstlerischer Partner ist die Schaubühne Lindenfels mit deren künstlerischem Leiter und Regisseur René Reinhard. In dieser Zusammenarbeit sind eine Reihe Inszenierungen, Kunstinstallationen, Performances und Ausstellungen entstanden wie die gerade gezeigte Kunstinstallation »Expedition 4x6 / Verwilderung« vor dem Naturkundemuseum.
Mit Lisa Fornhammar ist es nach »Before Night Comes« und »Au revoir, Euridice« in der Regie von Kristof Spiewok die dritte Zusammenarbeit in Leipzig.

Anja-Christin Winkler, geboren 1967 in Radeberg, studierte Musiktheaterregie in Hamburg, arbeitete an verschiedenen Bühnen, z. B. Wiener Staatsoper, Nationaltheater Mannheim, ZKM Karlsruhe. Als Lehrbeauftragte an der Hochschule für Musik und Theater Leipzig leitete sie  zahlreiche Musiktheaterprojekte (u. a. »Rheingold«, »Cosi fan tutte«) und für das Institut für Theaterwissenschaft der Universität Leipzig die Inszenierung des »Jasagers« im Rahmen des Internationalen Brecht-Kongresses 2019 am Schauspiel Leipzig. Neben freien Operninszenierungen wie z. B. »Imeneo« (Händel, 2019) initiiert und inszeniert sie zeitgenössische und performative Musiktheaterformate z. B. »Robert S.« (UA 2011, Oper Bonn), »Alesius« (UA 2019), »Pfingstausflug« (UA 2019, Klosterbuch). Seit 2017 ist sie Mitglied im Leipziger Kulturrat.