foodtour&art - die Hundert Morgen Landpartie

 
Seit der Neuzeit ist unser Naturverständnis weitestgehend durch die Naturwissenschaft geprägt, es ist enzyklopädisch, arithmetisch. Wir vermessen, katalogisieren, fotografieren, archivieren, aus Orten werden Koordinaten und letztendlich wird die Natur als endlose Aneinanderreihung von 0 und 1 aufgefasst. Ernst Bloch, einer der geistigen Väter der 68er Bewegung, fordert in seinem Werk „Das Prinzip Hoffnung“ ein Umdenken, einen Haltungswechsel: Mensch und Natur sollen in ein wechselseitiges Verhältnis treten, eine Allianz bilden, erst dann könne Natur dem Menschen eine Heimat werden. Aus dem beherrschten Ding Natur müsse ein kostbares Gut werden. Dabei spielt die Kunst eine wichtige vermittelnde Rolle.
 

Biohoffest meets Kunstfestival


Zum ersten Mal laden wir Naturliebhaber und Biofreaks aus Leipzig und Bewohner des malerischen Porphyrlands um Röcknitz zu einem eintägigen Kulturfestival ein - dorthin, wo das Essen von hunderten Leipzigern wächst: auf den Feldern des Biohofs Hartmut Müller in Röcknitz. Von Leipzig aus fährt man 40 km in Richtung Elbe, um das beschauliche Dorf mit seinem renovierten Wasserschlösschen zu erreichen. Gelegen inmitten von Wäldern, verlassenen Steinbrüchen und überwucherten Industrieruinen, Seen, Wiesen, Feldern, Flüssen und besonderen Biotopen ist dies ein geeigneter Ort für ein Festival, das sich mit dem Verhältnis Mensch und Natur sowie der Geschichte dieser Landschaft auseinandersetzt.

Gewaltige vulkanische Ausbrüche vor 300 Mio. Jahren hinterließen hier mächtige Lava-Ablagerungen, die heute als Porphyrgestein die Gegend prägen. In einem geologischen Konzert empfinden die vier Musiker des Quartetts um Mark Weschenfelder verschiedene Entstehungsphasen der außergewöhnlichen Landschaft nach. In der Kunstausstellung „Magnuitude M“, die im Herrenhaus zu sehen ist, zeigt die Malerin Aurélie Staiger die Wucht vulkanischer Aktivität, deren Schönheit und Bedrohlichkeit. Ihre Technik ist außergewöhnlich: sie mischt die Farbe mit Vulkanstaub und bewirkt durch die plastische Textur eine expressive Wirkung.

Eine völlig andere, ganz heutige Kunstausstellung ist auf dem Biohof zu sehen. Für foodtour & art verlassen die Künstler Robert Rheingold und Nico Nice ihre SHOWBOX in der Leipziger Georg-Schwarz-Str. und stellen in der Ausstellung „Stadt sucht Land“ ein „von urbanen Projektionen entrücktes Naturverhältnis in Opposition zu dem realen Ort eines Biohofes“ – natürlich nicht ohne die von ihnen gewohnte ironische Distanz. Während des Hörspielspaziergangs „Sehnsucht Röcknitz“ von Diana Wesser hat man Gelegenheit, das Dorf nicht nur anzuschauen, sondern erfährt (über ausleihbare mp3-Player) von den Einwohnern interessante Geschichten über ihr Dorf, wohin sie gehen, wenn sie entspannen wollen, was eine junge Frau bewegt hat, in die Enge des Dorfes zurückzukehren oder was es mit den „schlafenden Gärten“ auf sich hat.

Zu geologischen Wanderungen in die Umgebung lädt Frau Dr. Kerstin Fiedler vom Geopark Porphyrland und der Vorsitzende des Heimatvereins, Ralph Schubert, führt Besucher durch das Herrenhaus und berichtet von der bewegten Geschichte der alten Wasserburg aus dem 15. Jahrhundert.

Auf welch unterschiedliche Weise Menschen die Natur für sich nutzen, können die Besucher hautnah erleben: bei einer Traktor-Feldrundfahrt mit dem Biobauern Müller oder bei einer geologischen Wanderung zu Vulkanfelsen und vielem mehr. Es gibt auch für Kinder ein buntes Programm, z.B. das Theaterstück „Zwerg Nase“, in dem es um die wundersame Kraft eines Kräutleins geht. Selbstverständlich sorgen Biohof Müller und seine Partner den ganzen Tag für biokulinarische Verköstigung.

DER EINTRITT ZU ALLEN VERANSTALTUNGEN IST KOSTENLOS!

Das Festival foodtour&art wird veranstaltet von:

Flügelschlag Werkbühne e.V. (Projektleitung undd Konzeption: Anja-Christin Winkler) in Zusammenarbeit mit dem Biohof Müller, dem Heimatverein Röcknitz-Treben e.V. und Geopark Porphyrland.

Es wird gefördert durch das Programm LEADER.